Die fünf Elemente in der Yogapraxis – Teil 3 Feuer

fotocredit: Josh Boot @ unsplash

Die fünf Elemente auch Maha Bhutas genannt, sind das Fundament des gesamten physischen Universums. Alles im Universum entsteht aus dem Zusammenspiel der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Je mehr wir die Gesetze der Natur und ihre Beschaffenheit verstehen, umso mehr können wir dieses Wissen in unserer individuellen Yogapraxis und in unser Leben integrieren. Hier ein kurzer Überblick über das Element Feuer, seine Eigenschaften und wie du dieses Element in deiner Yogapraxis stärken kannst.

Yoga Elemente

fotocredit: Julia Caesar @ unsplash

Feuer

Das Element Feuer steht für die transformierende Kraft, die alle Unreinheiten im Körper verbrennt und für die Verdauung von Information in From von materieller und geistiger Nahrung zuständig ist. Ist das Feuerelement in uns in Balance schenkt es uns Leidenschaft und Begeisterung, Tatendrang und Wärme. Im Yoga spricht man von tapas, der inneren Hitze bzw. Disziplin, die uns für etwas begeistert und uns bei der Sache hält. Wir sind im wahrsten Sinne Feuer und Flamme und richten unsere gesamte Kraft auf diese Sache. Feuer ist daher kreativ und kann den Nährboden für Neues bereiten, indem es Altes, was ausgedient hat verbrennt und uns hilft die Vergangenheit los zu lassen. Gleichzeitig kann zu viel Feuer auch destruktiv wirken, was sich in unserer westlichen Welt in Form von Burn-Outs, dem Gefühl ausgebrannt zu sein, äußert.

Agni & Tapas

Das Feuerelement, als Agni bezeichnet, zentriert sich um den Bauchnabel herum. Es unterstützt die Verdauungsprozesse im Körper und hilft gemachte Erfahrungen zu integrieren. Dieses Feuer ist transformativ, denn es verwandelt die Energie aus anderen Lebensformen in für uns lebensspendende vitale Energie. Dieses Agni wird durch rumpfstabilisierende Asanas, Rotationen der Wirbelsäule und jede aktive Ausatmung, bei der der Nabel nach innen und oben zur Wirbelsäule gezogen wird, entfacht.

Das Feuerelement steht auch für Tapas, die innere Disziplin, die wir aufbringen, wenn wir für etwas Feuer und Flamme sind und unsere Energie über einen längeren Zeitraum hinweg auf unsere Ziele richten. Tapas verleiht uns Fokus, Durchhaltevermögen und Ausdauer und unterstützt uns dabei unsere Ideen und Wünsche in Realität umzusetzen.

Was das Feuerelement mit uns macht

Ist das Feuerelement in Balance sind wir leidenschaftlich & enthusiastisch bei allem was wir tun. Wir wissen was wir wollen und kommunizieren klar und direkt. Wir fühlen uns vital, sind inspiriert und können uns kreativ ausdrücken. Ist das Feuerelement zu stark in uns ausgeprägt, reagieren wir schnell cholerisch oder wütend. Wir handeln egoistisch und rücksichtslos, streben mit allen Mitteln nach Macht und Anerkennung und sind von Natur aus nervös und gereizt. Haben wir zu wenig Feuer, zeigt sich das durch Trägheit, Lethargie und Desinteresse. Wir fühlen uns müde und leblos, wirken auf andere eher kühl und reserviert, sind unmotiviert oder gar handlungsunfähig.

Das Feuerelement im Alltag

Hast du Lust das Feuerelement mehr in deinen Alltag zu bringen? Diese Fragen können dir dabei helfen. Nehme dir Zeit und lass sie auf dich wirken.

beitrag-feuer-fragen

Postkarte by zehnhochacht

Feuer in der Yogapraxis

Das Feuerelement kann sowohl lebensspendend aber auch zerstörerisch sein. Eine gute Balance dieses Elements ist also ausschlaggebend für unser körperliches, emotionales und mentales Gleichgewicht. Diese Yogapraxis zeichnet sich durch dynamisch-kraftvolle, aktivierende und hitzeerzeugende Sequenzen aus, die ein gutes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung, dem Tun und dem Sein, dem Wollen und dem Können aufweisen.

1. Hitzeerzeugender Atem: Ujjayi, Kapalabathi & Bhastrika

Ujjayi ist einer der am meisten geübten Atemübungen (Pranayamas) und wird in vielen dynamischen Yogastilen, die durch Krishnamacharya inspiriert wurden, angewandt. Ujjayi wird als der siegreiche Atem übersetzt, der dem Yogi den Sieg über den unregelmäßigen Atem gibt. Bei diesem Pranayama wird die Stimmritze wie beim Flüstern etwas verengt, um ein feines, gleichmäßiges leises Rauschen am Ende der Kehle zu erzeugen. Der Atem wird dabei durch die Verengung der Stimmritze in eine feine, fließende Form gebracht und tonisiert das Zwerchfell bei der Atemtätigkeit. Durch die kontrolliert langsame vollständige Ein- und Ausatmung werden die Lungen gereinigt, neben den Atemmuskeln auch die Bauchmuskeln tonisiert und das Verdauungsfeuer angeregt.

Kapalabathi gehört zu den sechs Reinigungsübungen (Shatkriyas) und ist ebenfalls eine hitzeerzeugende Atemtechnik, die die Lungen reinigt und das innere Feuer entfacht.  Dabei sitzt man entspannt und stabil zu gleich in einer aufrechten Sitzposition. Bei dieser Atmung wird mehrere Male aktiv und stoßartig ausgeatmet, indem der Nabel ruckartig zur Wirbelsäule gezogen wird. Die Einatmung erfolgt automatisch, durch das Entspannen der Bauchmuskulatur. Zwischen 30-120 wiederholende Atemstöße erfolgen, ehe der Atem nach der letzten Ausatmung erst kurz gehalten und dann nach vollständiger Einatmung so lange wie möglich angehalten wird. Insgesamt können mehrere Runden dieser Atemübung praktiziert werden.

Bhastrika, als weiteres Pranayama wird in ähnlicher Art und Weise praktiziert, wobei sowohl die Einatmung als auch die Ausatmung aktiv kraftvoll wie ein Blasebalg erfolgt. Richtig ausgeführt können 10-30 Wiederholungen schon stark energetisierende Wirkungen auf den Yogi haben. Diese drei Atemübungen erzeugen Hitze und sollten direkt von einem erfahrenen Lehrer gelernt werden.

2. Core & Twists

Gezielte rumpfstabilisierende Übungen, die die Körpermitte (Core) fördern das innere Feuer, geben uns Selbstwirksamkeit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und machen uns unabhängig von der Bestätigung des Außens. Die Rotationsbewegungen der Wirbelsäule (Twists) wirken wie eine Massage für die internen Organe, Leber und Niere. Core & Twistsequenzen sind meist schweißtreibend und unterstützen den Entgiftungsprozess im Körper. Sie „wringen“ den Körper wie ein nasses Handtuch aus und entschlacken ihn auf diesem Wege.

3. Hitzeerzeugende Sequenzen => Vinyasas

Hatha Vinyasa Yoga arbeitet mit immer wiederkehrenden dynamische Asanaabfolgen, die mit dem Atem synchronisiert werden und zu Beginn der Praxis den gesamten Körper erwärmen. Der Sonnengruß in seinen unterschiedlichen Variationen ist das bekannteste Vinyasa, was zur Aktivierung des Feuerelements genutzt wird. Vinyasas haben auch diesen beruhigenden fließenden Effekt des Wasserelements. Lassen wir im Vinyasa den Atem wirklich gleichmäßig und tief fließen, kann das innere Feuer dadurch aktiviert werden, ohne uns das Gefühl zu geben auszubrennen (Burn-Out). Gerade nach kraftvollen stehenden Asanas neutralisiert das Vinyasa die hitzeerzeugende Asana.

4. Drishti – Fokus wie eine Lupe

Wie die Lupe, die die Energie der Sonne auf einen Punkt bündelt, lenkt der Drishti (Blickpunkt) unsere gesamte Konzentration auf einen Punkt. Die Bewusstseinsenergie wird dadurch konzentriert und lenkt Prana mittels der Atmung auf bestimmte Partien des Körpers. Im Hatha Vinyasa Yoga dient der Blickpunkt (Drishti) daher als Fokussierungshilfe, um die Lebensenergie zu Lenken und das Abschweifen des Geistes zu vermeiden.

Asanas für das Feuerelement

Vashistasana

Vashistasana

Utthita Padangustasana

Utthita Padangustasana D Variation

Utthita Padangustasana D Variation

ADW - Utthita Pagangustasana D

Utthita Pagangustasana D

Navasana

ADW - Navasana var

Navasana Variation

ADW - Navasana

Navasana

1 Kommentare

  1. Pingback: Die fünf Elemente in der Yogapraxis – Teil 4 Luft - Surf my Soul

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.