Die fünf Elemente in der Yogapraxis – Teil 5 Äther

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Die fünf Elemente auch Pancha Mahabhutas genannt, sind das Fundament des gesamten physischen Universums. Alles im Universum entsteht aus dem Zusammenspiel der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Je mehr wir die Gesetze der Natur und ihre Beschaffenheit verstehen, umso mehr können wir dieses Wissen in unserer individuellen Yogapraxis und in unser Leben integrieren. Hier ein kurzer Überblick über das Element Äther, seine Eigenschaften und wie du dieses Element in deiner Yogapraxis stärken kannst.

Äther

Äther ist das fünfte Element der fünf Mahabhutas und umhüllt die anderen vier Elemente. Im Ayurveda wird Äther als Akasha (Leere, Raum) bezeichnet und kann als allgegenwärtiger Raum gesehen werden, in dem alles geschieht und in dem auch alles geschehen kann. Das ist der Raum, in dem die anderen Elemente tanzen. Somit ist Äther gleichzeitig die Quelle aller Materie und der Raum selbst in dem sie existiert. Akasha bildet gleichzeitig die Brücke zwischen dem individuellem und dem universellem Ich. Sein Adjektiv „ätherisch“ bedeutet hell, luftig oder spirituell. Denken wir hier einmal an ätherische Öle, wissen wir, was damit gemeint ist. Äther ist der Träger des akustischen Klangs und seine Qualitäten sind die Leere, die Freiheit und das Sein. Seinen höchsten Ausdruck findet Akasha in unserem Bewusstsein und in der Praxis der Achtsamkeit. 

Die kosmische Kraft des Seins

Aus der Quantenphysik ist schon lange bekannt, dass die Materie, die wir als Realität wahrnehmen gar nicht so massiv ist, wie sie uns erscheint, sondern hauptsächlich zu 99,999 % aus sogenannter dunkler Materie besteht, die nicht gleich leerer Raum ist. Es ist der Raum, der zwischen dem Elektron und dem Atom existiert und aus unendlich vielen kleinen Partikeln besteht, die auf tiefster Ebene in einem konstanten Kraftfluss miteinander verbunden sind. Äther entspricht auch dem, was wir oft als undifferenzierte kosmische Kraft, das morphogenetische Feld, oder das kollektive Bewusstsein bezeichnen. Er ist reine Möglichkeit und Potenzial. Es ist sowohl die Ursache als auch deren Wirkung. Äther bildet den Raum, in dem sich der GEIST im Sinne des „Spirits“ in seiner grenzenlosen Vielfalt und Schönheit in der Magie der Schöpfung erfährt. Das ist Akasha.

Akasha im Yoga

Äther als Träger des Klangs und somit der Raum für Kommunikation repräsentiert sich als Element im 5. Chakra (Vishuddha/ Hals). Wir nehmen es als Ton über unseren Hörsinn wahr. Gleichzeitig ist er aber auch der Raum der Stille. Wenn wir in unserer Praxis den Moment der Stille zulassen, geben wir unserem Bewusstsein die Möglichkeit Körper und Geist zu vereinen und in die Gegenwart manifestierter Schönheit einzutauchen, um diese über alle Sinne genießen zu können. Dieser Raum der Stille birgt das große Potenzial in sich, unser Bewusstsein langsam weit werden zu lassen, bis wir das Sein und die gesamte Schöpfung als ganzes Bild wahrnehmen können. Äther nährt die Fähigkeit wirklich auf die Signale unseres Körpers, unsere innere Stimme, unsere Ideen und unsere Gefühle zu hören.

„The success of Yoga does not lie in the ability to perform postures, but in how it positively changes the way we live our life and our relationships.“ Desikachar

Durch eine regelmäßige Yogapraxis, können wir unsere Wahrnehmung wieder verfeinern. Ein Weg, der über die körperliche Praxis zu mehr Bewusstsein über den Körper und dadurch auch zu einer Erhöhung der geistigen Kapazität führt. Je subtiler wir in unserer Wahrnehmungsfähigkeit werden, um so mehr verfeinert sich auch Akasha in uns. Wir können unsere Aufmerksamkeit dann unbegrenzt in eine gewünschte Richtung lenken, oder auf nur eine Sache fokussieren. Diese Fortschritte in der Yoga-Praxis erkennen wir daran, dass wir uns bewusster über unser wahres Selbst werden. Mehr und mehr die Dinge erkennen, die wir nicht wollen, die uns nicht gut tun und dadurch mehr die Dinge erkennen, die uns gut tun. Wir dürfen uns selbst mit mehr Ehrlichkeit, Annahme und Liebe begegnen. Manchmal wird diese Bewusstseinsveränderung dadurch erreicht, dass ein besonderes Gewahrsein für einen bestimmtes Thema oder einen Aspekt geschaffen wird, was uns schon länger beschäftigt und sich durch die sogenannten „Aha-Momente“ ausdrückt.

Wie du Akasha in deine physische Yogapraxis integrierst

Akasha als den Raum oder den Moment der Stille wahrzunehmen, nährt uns, indem es dem Geist die Möglichkeit gibt zu entspannen. Diese Stille können wir in der Asana oder in der Meditation finden. Möchten wir das Ätherelement in unsere dynamische Praxis integrieren, können wir außerdem den Fokus darauf richten, wie sich der Körper im Raum bewegt und wie er auf die verschiedenen Positionen reagiert. Welche inneren Räume werden geöffnet? Sei präsent und achte darauf, in was du hinein gehst. Welche Gedanken oder Gefühle kommen hoch? In welchen Bereichen meines Körpers kann ich Spannungen oder Leichtigkeit spüren? Die Intention, mit der wir in eine solche Praxis gehen, könnte beispielsweise sein:

„Nutze nicht deinen Körper, um die Asana zu kommen, sondern nutze die Asana, um in deinen Körper zum kommen.“

Eine so klar formulierte Absicht kann uns dabei unterstützen, sich dem Wesenskern anzunähern. Hier entwickeln wir einen Sinn für Balance und Ruhe, der uns hilft Körper, Geist und Atem miteinander zu vereinen, womit wir energetisierter aus der Praxis kommen.

Ein paar Inspirationen, um das Ätherelement in deine Asana-Praxis zu integrieren:

  • Welche Muskeln aktiviere ich mehr als andere?
  • Erzeugt mein Körper während der gesamten Praxis gleichmäßig Hitze?
  • Tritt mir manchmal Frustration oder Ärger beim Yoga entgegen?
  • Vergleiche ich mich ständig mit anderen oder konkurriere ich sogar?
  • Ist mein Atem ruhig, tief und gleichmäßig?
  • Kann ich während meiner gesamten Übungszeit einen subtilen Ujjayi-Atem aufrechterhalten?
  • Ist mein Atem sehr laut?
  • Gibt es Momente der Stille und des Friedens?
  • Wie fühle ich nach meiner Praxis?

Das Ätherelement in der spirituellen Yogapraxis

„Meditation comes with grace.“ Marc Whitwell

Besonders in der heutigen sehr rational geprägten Welt, in der die ökonomische Vernunft und das Konkurrenzdenken die Überhand hat, ist es um so wichtiger sich wieder zu erinnern, wer wir wirklich sind und wo wir herkommen. Wir dürfen uns daran erinnern, dass wir spirituelle Wesen sind, die mit den anderen Lebewesen, auch den Tieren und Pflanzen, der Mutter Erde und dem gesamten Universum verbunden sind. Die Meditation ist, eine gutes Hilfsmittel, dass uns dabei helfen kann. Sie ist eine sehr effektive Möglichkeit der Geistesschulung, aus der wir Wissen in Form von erfahrbarer Weisheit sammeln können. In unserer westlichen Welt denken wir leider, dass Geistesschulung gleich bedeutend ist mehr Wissen durch Bücher oder einem Studium, was aber leider ein nicht unbedeutender Irrtum ist. Hierbei handelt es sich um auswendig gelerntes Wissen, wohingegen Weisheit aus der Integration von Erfahrung resultiert. Die zivilisierte intellektuelle westliche Welt hält sich in vielen Dingen für überlegen. Dagegen haben viele scheinbar „unterentwickelte“ indigene Völker ihr Wissen mit Weisheit gepaart und leben im Gegensatz zu uns in Einklang mit der Welt und der Natur die sie umgibt.

The breath is the guru – Lasse dich von deinem Atem führen

Durch die Methode der Atembeobachtung hat der Mensch eine der ältesten Meditationstechniken zur Verfügung, die bereits seit über 5000 Jahren praktiziert wird. Sie kann uns dabei unterstützen, die Bewegungen unseres Geistes zu beobachten und seine Denkmuster und Motivationen zu erkennen. Sobald wir diese Muster erkennen, annehmen und ersetzen, kann ein Prozess der Transformation beginnen, der uns dabei unterstützt von negativen Gedanken und Gefühlen frei zu werden.

„In der Meditation begegnen wir dem göttlichen Urgrund, wir kommen der Mitte des Lebens ein Stück näher.“ Buddha

Manchmal müssen wir aber auch erst durch die Dunkelheit gehen, um das Licht erkennen zu können. Dann führt uns dieser Weg zu einem Ort der Stille, an dem wir unseren Bewusstseinszustand entwickeln und Wahrheit und Wissen (im Sinne von Weisheit) erfahren können. Dieser Ort ist nicht fiktiv, sondern existiert in dem Raum zwischen den Gedanken und den sonstigen Bewegungen des Geistes. Dauerhafte Freude und Glück kann nicht im Außen gefunden werden, da das Außen sich im ständigen Wandel befindet. Die einzige Konstante ist die Veränderung. Wenn wir unsere Perspektive aber nach innen kehren, finden wir dort einen Zugang zu einem Gefühl der Seligkeit dass völlig unabhängig von den äußeren Gegebenheiten existiert und unsere wahre innere Natur darstellt. Mittels der Meditation stärkt der Mensch seine Verbindung zu seiner inneren Essenz, die die Yogis als SEIN BEWUSSTSEIN & SEELIGKEIT beschreiben.

Ohne Übung keinen Fortschritt.

Um diese Anbindung zu stärken bedarf es einer regelmäßigen täglichen Meditationspraxis. Diese Praxis hilft uns, uns selbst besser kennen zulernen und mehr Ausgewogenheit zu finden. Sie unterstützt uns dabei Verantwortung für unsere Gefühle, Gedanken, Worte und Taten zu übernehmen, erlaubt uns aber auch gleichzeitig eine Wahl zutreffen. Das bedeutet, wir haben eine Wahl, wie wir auf die Dinge, die uns im Innen und im Außen begegnen, reagieren wollen. Wir können entscheiden, ob wir im Widerstand mit dem Verhalten des Arbeitskollegen, des Partners, verschiedenen Gedanken oder welchen Umständen auch immer sind, oder ob wir anders handeln wollen als bisher.

Übungsanweisung:

  • Sitze aufrecht, aber gemütlich (Kissen, Stuhl)
  • Beobachte das natürliche Kommen und Gehen deines Atems
  • Lausche, fühle und beobachte was du wahrnehmen kannst
  • Benenne oder bewerte die Dinge nicht, nimm sie lediglich war
  • Wenn Gedanken, Gefühle, oder Bedürfnisse aufkommen, nimm sie wahr und kehre wieder zum Atem zurück
  • Gib dem Raum der Stille zwischen den Bewegungen des Geistes die Möglichkeit größer zu werden
  • Lasse dich von deinem Atem führen
  • Beginne mit 10 Minuten morgens und abends

Pranayama

Pranayama ist der Bereich der Yogapraxis, der sich der Kontrolle und der Ausdehnung des Atems und des Pranas (subtile Form von Lebensenergie) beschäftigt. Stell dir vor, dass jedem Lebewesen eine gewisse Portion Lebensenergie bereitgestellt wird, die für die Lebenszeit ausreicht. Prana ist die Kraft, die alle Aktionen im Innen und Außen steuert. Auf unseren Körper bezogen, steuert es die Fähigkeit der Sinne, jegliche physische Bewegungen, das Verstehen und unseren Willen. Die Wissenschaft des Pranayama arbeitet mit verschiedenen Übungen, durch die Prana gestärkt wird. Diese Übungen beinhalten die Verlängerung, das Halten, die Rhythmisierung, die Führung und Kontrolle des Atems. Dadurch lernen wir unseren Atmen wieder besser kennen und erlangen mehr Bewusstsein für ihn.

„Just as the activities of the mind influence the breath, so does the breath influence the mind.“ Desikachar

Eine gesunde, gleichmäßige und tiefe Atmung hat nicht nur positive Effekte auf den Körper, sondern auch auf die Psyche. Wer tief und entspannt den Tag über atmet, wird feststellen, dass dies eine entspannte Wirkung auf sein Nervensystem und die innere Grundhaltung hat. In vielen fernöstlichen Traditionen existiert eine enge Verbindung zwischen dem Atem und dem Geist. Gelingt es uns den Atem zu regulieren, wird auch unser Bewusstsein wieder feiner und klarer, was uns dabei hilft, den Geist zu fokussieren. Beispielsweise Anuloma Viloma , die Wechselatmung hilft gegen Nervosität, Schlafstörung und emotionalen Spannungen und ist für alle geeignet. Wenn du schwanger bist solltest du allerdings auf die Atempause verzichten.

Anuloma Viloma – Die Wechselatmung

Anuloma – „dem normalen Weg folgen“

Viloma – „die Richtung zu wechseln“

Für die Pranayama-Praxis gilt ein Grundsatz aus dem Ayurveda:

„Unterdrücke nie das Bedürfnis des Körpers, bestimmte Dinge zu tun.“

Übungsanweisung

  • Komme in einen soliden, aufrechten Sitz
  • Klappe Mittelfinger und Zeigefinger der rechten Hand ein
  • Bringe die rechte Hand zur Nase und nutze den Daumen, um das rechte Nasenloch oberhalb der Nasenflügel zu verschließen und den kleinen Finger und den Ringfinger für das linke Nasenloch
  • Atme tief durch beide Nasenlöcher ein und dann aus, verschließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch und atme links ein
  • Schließe beide Nasenlöcher und halten den Atem
  • Atme rechts aus
  • Atme rechts ein
  • Schließe beide Nasenlöcher und halten den Atem
  • Atme links aus
  • Die Ratio mit der du atmest ist 1:4:2
  • Das bedeutet beispielsweise du atmest 2 Sekunden ein, hälst den Atem 8 Sekunden an und atmest in 4 Sekunden aus.
  • Oder du steigerst den Ratio zum Beispiel auf: 4 Sekunden in der Einatmung, 16 Sekunden in der Atempause und 8 Sekunden in der Ausatmung.
  • Die Übung endet wenn du das letzte Mal durch dein linkes Nasenloch ausgeatmet hast.
  • Im Anschluss übe gerne Shavasana oder Meditation

 Yamas und Niyamas

Die Ebene des höheren Gewahrseins können wir natürlich in jeder Yoga-Klasse in den Asanas, in Savasana (Entspannung) oder auch während der Meditation praktizieren. Am wichtigsten von allem ist es aber Yoga von der Matte in den Alltag mitzunehmen und es dort in dein Leben zu integrieren. Es ist deine innere Reise, einzigartig und individuell. Das heißt beginne Verantwortung für dich und dein Leben zu übernehmen, für dein Denken, deine Worte und deine Taten. Führe diese Reise mit Liebe, Hingabe und Vertrauen. Um uns auf diesem Weg der Entwicklung zu unterstützen, bietet uns der Yoga die Yamas (äußere Disziplinen ) und die Niyamas (innere Disziplinen).

Yamas

  1. Ahimsa: Gewaltlosigkeit
  2. Satya: Wahrhaftigkeit
  3. Asteya: Nicht Stehlen, Nicht Begehren
  4. Brahmacharya: Enthaltsamkeit, Mäßigung
  5. Aparigraha: Nicht Besitzergreifen, Annehmen was ist

Niyamas

  1. Sauca: Reinlichkeit
  2. Santosha: Zufriedenheit
  3. Tapas: Disziplin
  4. Svadhaya: Studium des Selbst
  5. Ishvara Pranidhana: Hingabe an Gott

Asanas für das Ätherelement

Aktivierung 5. Chakra (Halschakra)

Dhanurasana – Der Bogen

Sarvangasana – Der Schulterstand

Den inneren Raum wahrnehmen

Shavasana – Die Totenstellung

Sukhasana – Einfache Stellung mit Meditation

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