Chakra Journey: Teil 6 – das dritte Auge

Das dritte Auge oder auch Ajna Chakra genannt, ist das Zentrum unserer archetypischen Identität. In diesem Chakra geht es vor allem, um das innere Sehen, Intuition, Hellsichtigkeit, Vision vs. Illusion, Träume und Symbolik. Das Element dieses Chakras ist Licht. Dabei ist vor allem das Licht des Bewusstseins gemeint, mit dem wir anfangen klarer zu sehen, was eigentlich real ist.

Element: Licht

Farbe: indigo

Bija Mantra: om

Dualität: Vision vs. Illusion

Thema: sehen,

Das 3. Auge in Balance

Wenn das 6. Chakra in Balance ist, dann sind wir gut mit unserer Intuition verbunden. Wir nehmen die Welt wahr wie sie wirklich ist und können klar unterschieden zwischen Illusion und Wirklichkeit. Wir haben ein gutes Vorstellungsvermögen und Dinge zu visualisieren fällt uns leicht. Zudem haben wir eine gute Erinnerung und können die Symbolik z.B. aus unserer Traumwelt deuten.

Das 3. Auge in Disbalance

Wenn zu wenig Energie in Ajna Chakra fließt, dann tendieren wir dazu unsensibel zu sein, für das was unmittelbar gerade geschieht. Uns entgeht beispielsweise, dass unser Gegenüber gar nicht an einem Gespräch interessierst ist, oder gar nicht wirklich zuhört. Wir haben eine geringe Vorstellungskraft & können uns nur schlecht an unsere Vergangenheit erinnern. Uns die Zukunft vorzustellen oder generell etwas zu visualisieren liegt eher weniger in unseren Möglichkeiten. Wir neigen dazu, die Realität zu leugnen, weil wir uns in Illusionen und Wunschvorstellungen verlieren und nicht über unseren eigenen Blickwinkel hinaus sehen können.

Bei zu viel Energie in Ajna Chakra neigen wir zu Halluzinationen, können also Realität und Illusion nicht mehr unterscheiden. Viele psychische Erkrankungen, Obsessionen, Alpträume oder gar Wahnsinn sind Folgen eines exzessiven dritten Auges. Weil so viel Energie in diesem Zentrum zirkuliert, haben wir häufig Schwierigkeiten den Fokus zu halten und können uns nur schwer auf eine Sache konzentrieren.

Äußeres Sehen & inneres Sehen

Licht ermöglicht uns mit unseren Augen die Formen und Farben unserer Außenwelt zu erkennen. Richten wir unseren Fokus aber kontinuierlich nach innen kultivieren wir mit der Zeit das innere Sehen. Dieses innere Sehen verbindet uns mit der Welt der Visionen. Wir brauchen kein äußeres Licht, um in unserer Traumwelt sehen zu können. Es ist vielmehr das Licht des Bewusstseins, das unsere innere Welt erleuchtet, uns Zugang gibt zu Erinnerungen, Träumen und Vorstellungen. Je mehr unsere Aufmerksamkeit sich der äußeren Welt entzieht und nach innen taucht, umso besser verstehen wir die Symbole unserer inneren Welt und bringen Licht in die unbewussten Teile unserer Psyche. Diese Introspektion führt zur Selbstreflexion, die uns unsere eigenen Strukturen, Konditionierungen und Muster erkennen lässt.

Selbsterkenntnis – Muster erkennen und ihre Bedeutung verstehen

Introspektion und Selbstreflexion führen mit der Zeit zur Selbsterkenntnis. Je mehr wir unseren Fokus nach innen richten, umso besser erkennen wir Ursachen- und Wirkungszusammenhänge und damit die Kausalitäten, zwischen unserem Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln. Wir beginnen zu verstehen wie unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Beziehung stehen. Je besser wir uns selbst kennen, umso leichter wird es für uns auch die Handlungsmuster und Verhaltensweisen anderer einzuschätzen. Wenn sich beispielsweise ein Freund in der Vergangenheit ständig über seinen Job beklagt hat, wird er sich höchst wahrscheinlich auch beim nächsten Treffen darüber beschweren. Aufgrund unserer Erfahrung aus der Vergangenheit können wir also vorausschauend auch die Gegenwart und die Zukunft „vorhersehen“. Dennoch dürfen wir präsent und wach bleiben, um nicht zu starr in unserem Denken und in unseren Erwartungen zu sein, damit uns neue Informationen nicht entgehen.

Illusion, Obsession, Anhaftung

Eine Illusion ist ein statisches Image, das nicht der Realität entspricht und unsere Energie blockiert. Dabei wird uns psychische Energie aus dem Jetzt entzogen, weil wir an einer Wunschvorstellung festhalten, die nicht der Realität entspricht. Dadurch können wir gar nicht das sehen und wertschätzen, was gerade Tatsache ist. Wir neigen dann dazu, an einer nicht realen Vorstellung festzuhalten, die zur Obsession werden kann.

Die Illusion wie zum Beispiel unsere Beziehung oder unser Leben sein SOLL, hält uns davon ab zu sehen, was gerade alles da IST. Diese Illusion zieht zwar psychische Energie, gibt uns aber nichts zurück und hinterlässt uns leer und unbefriedigt. Das kann sogar dazu führen, dass wir bereit sind die Tatsachen zu leugnen und uns selbst belügen!

Beispiel: Ein Mann hatte immer den Traum sein eigenes Unternehmen zu gründen, um erfolgreich zu sein. Nach vielen Jahren harter Arbeit ist er an dem Punkt und hat es „geschafft“. Doch der Preis, den er für diesen Erfolg zahlen muss, ist hoch. Er verkauft seine Seele an sein Business, hat keine Zeit für authentische Beziehungen oder seine eigenen persönlichen Interessen. Er lebt nur noch für sein Unternehmen. Da er immer dachte, dass dieser Erfolg das ist, was ihn erfüllt, kann er jetzt nicht einfach von dieser Vorstellung loslassen und verkauft sich nach Außen als erfolgreichen und erfüllten Geschäftsmann, obwohl es innerlich in ihm anders aussieht.

„Wenn du versuchst die Karriereleiter zu erklimmen, dann vergewissere dich, dass die Leiter an der richtigen Wand steht!“

unbekannt

In diesem Beispiel war eine Illusion, dass ein Unternehmen den Mann glücklich macht. Weil er so lange dafür gekämpft hat, ist diese Illusion zur Obsession geworden, die er jetzt nach langer Zeit nur schwer loslassen kann. Je mehr Energie wir in Form von Zeit und Aufmerksamkeit auf die Illusion richten, umso stärker wird sie und umso schwieriger wird es, sie wieder loszulassen. In diesem Beispiel ist der Mann dem Archetypen des Helden verfallen. Seine Hauptmotivation bestand darin erfolgreich mit etwas zu sein, wobei andere Wesensanteile seiner Selbst auf der Strecke blieben.

Archetypen

photocredit: Joel Oberbeck @unsplash

Archetypen sind wie morphogenetische Felder, die unser Verständnis und unseren Modus der Wahrnehmung prägen. Sie sind transzendenter Natur, weil sie über das Individuum hinausgehen. Verschiedene Chakras können verschiedene Archetypen zugeordnet werden:

  1. Wurzelchakra = die Mutter/der Vater
  2. Sakralchakra = der/die Liebende
  3. Solarplexuschakra: der Held/die Heldin
  4. Herzchakra: Der Heiler/die Heilerin
  5. Kehlkopfchakra: der Künstler/die Künstlerin
  6. 3. Auge: der Seher und Magier/die Seherin und Zauberin
  7. Kronenchakra: der Mystiker und Meister/die Mystikerin und Meisterin

Der Archetyp, aus dessen Blickwinkel wir auf unser Leben schauen, ist wie ein Filter und somit einer Perspektive der Wahrnehmung.

Beispiel: Auf einem Festival zum Beispiel hat der Künstler nur Augen für Farben und Formen, Kompositionen, Klänge etc. und teilt seine Kunst in Form von Musik oder Gestaltung mit den anderen. Der Heiler hingegen, sieht eher die Menschen, sieht wer gerade nicht in seiner Kraft ist und wem er durch seine Dienste helfen kann. Der Liebende hat nur Blick für die Beziehungen zwischen den Menschen, er sieht alles aus dem Blickwinkel der Liebe und sucht nach Verbindung zu anderen Liebenden. Die Mutter sieht alles aus der Perspektive der Versorgung. Um wen kann sie sich kümmern? Wen kann sie nähren? Der Held sucht nach Heldentaten, steht gerne im Mittelpunkt und lässt sich feiern. Die Seherin erspürt, wem sie Botschaften zukommen lassen kann.  Der Mystiker erschafft durch seine klare Präsenz Momente der Transzendenz. Er hält den gesamten Raum und wirkt subtil auf das Geschehen ein.

Alle Archetypen gemeinsam ergeben das innerste SELBST und damit die Totalität unseres Seins. Natürlich können wir zeitlich mehrer Archetypen verkörpern, was hin und wieder auch zu Identitätskonfliken führt. Indem wir erkennen, welcher Archetyp uns gerad bestimmt, können wir klarer definieren, welche Schritte wir gehen müssen, um diesem Archetypen gerecht zu werden.

Symbole – als die Sprache der Seele

In Ajna Chakra treten wir vorallem mittels Symbolen mit unserem inneren Sein in Kontakt. Innerhalb der Yogapraxis können wir beispielsweise mit bestimmten Yantras meditieren. Während Mantras auditive Repräsentationen des Göttlichen sind, sind Yantras die visuelle und symbolisch geometrische Repräsentation des Göttlichen. Durch das Licht wird die göttliche Kraft in Form des Yantras sichtbar. Ein bekanntes Yantra ist beispielsweise das Sri Yantra oder auch Sri Chakra genannt.

Am wirkungsvollsten ist es von einem tantrischen Meister in die Yantra Meditation eingewiesen zu werden.

Träume als Quelle der Symbole

Symbole sind die Sprache der Seele. Durch die Symbolik der Träume können wir Erkenntnisse und Einblicke in unser Unterbewussten erlangen. In Träumen nutzen wir die Symbolik der oberen Energiezentren, um die unbewussten Themen der unteren Chakras zu bearbeiten und diese in unser Bewusstsein aufsteigen zu lassen.

Träume bringen uns Antworten auf Fragen, die im Alltagsbewusstsein nicht gelöst werden können und sind damit Wegweiser. Sie repräsentieren unsere inneren Welt, die womöglich in Konflikt mit unserer Außenwelt steht. Mittels unserer Träume finden wir zurück zur Balance und damit wieder eine psychische Homöostase.

Dabei sind Träume häufig nicht logisch, linear oder realistisch, sondern Alternativen zur gewöhnlichen Realität. Diese alternative Wirklichkeit ermöglicht uns in neuen kreativen Arten und Weisen zu denken, die vorher noch nicht da gewesen sind. Damit öffnet sich die Tür zur Intuition, Hellsichtigkeit und Vorstellung.

Intuition

photocredit: Jen Theodire @unsplash

Die Intuition ist das unbewusste Erkennen von Mustern und Einsichten, ohne das diese rational oder logisch begründet werden können. Intuitive Einsichten lassen sich nicht erzwingen. Sie geschehen vielmehr plötzlich, wenn wir passiv und empfänglich sind und uns komplett an den Moment hingeben. Während der rationale Verstand in Teilen denkt und dann durch die Summe aller Teile versucht Sinn zu stiften, sehen wir durch die Intuition das Ganze in einem Moment aufblitzen. Durch Meditation sind diese intuitiven Einsichten und Lichtblicke länger ersichtlich, weil die Intuition nur jenseits des rationalen Denkens wirken kann.

Hast du schonmal plötzlich das Gefühl gehabt, du wüsstest genau was in einer Situation zu tun ist, ohne das du das rational hättest begründen können? Je öfter wir diesen intuitiven Eingebungen folgen, umso stärker kann die Intuition in uns wirken.

Hellsehen

Hellsehen beginnt mit der Entwicklung der Intuition und dem Nach-Innen-Richten unterer Aufmerksamkeit. Dabei geht es vor allem um die bewusste Hingabe an den unterbewussten Teil unseres Bewusstseins. Je mehr wir unser drittes Auge „öffnen“ und Zugang zur inneren Wirklichkeit bekommen, umso eher können wir energetische Realitäten aber auch Ereignisse aus der Vergangenheit oder Zukunft sehen. Wir erlangen zunehmend Einblicke in unsere transpersonale Psyche, die die Verbundenheit zur Ganzheit unseres Seins darstellt. Je mehr wir mit dieser inneren Welt in Kontakt sind, umso eher können wir Einsichten über Zusammenhänge unserer inneren und äußeren Erfahrung auch jenseits dieses einen Lebens erlangen.

Um dieses innere Sehen zu entwickeln, braucht es vorallem Vertrauen und Übung, die Verbundenheit zu inneren Gefühlen und Empfindungen, sowie den Zugang zu inneren Stimmen und Bildern.

Yoga für das 3. Auge

Innerhalb unserer Asanapraxis können wir durch die sogenannten Drishtis/Blickpunkte immer wieder unseren Fokus auf den Bereich des dritten Auges (zwischen den Augenbrauen) bringen. Da wir aber zunehmend der materiellen Bereich unseres Sein verlassen und in die geistige Welt gehen, geht es hier zunehmend um die meditative Praxis. Pranayama wie Nadi Shodana (die Wechselatmung) erlauben uns Präsenz im Bereich des 3. Auges zu kultivieren.

Auch Trataka, eins der sechs Shatkriyas/Reinigungsriten ermöglicht uns das innere Sehen zu verstärken und wirkt dabei noch reinigend auf die Augen und den Geist. Dabei gehst du folgendermaßen vor.

  1. Du setzt dich in einen bequemen Sitz und hast auf Augenhöhe ungefähr ein Meter vor dir eine Kerze positioniert, dessen Flamme im Idealfall nicht flackert.
  2. Dann schaust du soweit es geht für mehrere Minuten ohne zu blinzeln in die Flamme der Kerze. Das führt häufig dazu, dass deine Augen beginnen zu tränen.
  3. Schließe nach 5 Minuten die Augen, und visualisiere die Flamme der Kerze in dem Bereich deines dritten Auges. Sehe die Flamme so lebendig wie möglich hinter deiner Stirn und zwischen deinen Augenbrauen aufleuchten.
  4. Wenn du das innere Bild der Flamme verlierst, öffne wieder die Augen, starre in die Flamme der Kerze und beginne die Übung von vorne.

Wie du schon merkst, spielt vorallem das Nach-Inneren-Richten der Aufmerksamkeit (Pratyahara) eine immer wichtigere Rolle. Somit werden auch Meditationen und Übungen wie der Schlaf der Yogis (Yoga Nidra) immer bedeutsamer, um unser inneres Sehen zu kultivieren. Nimm dir Zeit, mach es dir gemütlich und tauche in deine innere Welt ein:

Reflektionsfragen

  1. Was sind meine Visionen für 2020? Welche Visionen wurden 2019 bereits Wirklichkeit?
  2. Gibt es Illusionen, an denen ich mich festhalte? Gibt es obsessive Gedanken, die ich nicht gut loslassen kann und an die ich festhalte?
  3. Welche Archetypen wirken gerade in mir und welche sind dominant? Zu welchen Handlungsimpulsen rufen sie mich auf?
  4. In welchen Momenten stehe ich in Verbindung mit meiner Intuition? Habe ich ihr entsprechend gehandelt?
  5. Habe ich eine Verbindung zu meiner Traumwelt? Wenn nicht nehme dir vor dem Einschlafen vor, dich an deine Träume zu erinnern und schreibe sie unmittelbar nach dem Aufwachen auf!
  6. Schreibe in dieser Woche ein Traumtagebuch. Welche Symbolik benutzt deine Seele, um mit dir zu kommunizieren?
  7. Visualisiere morgens nach dem Aufstehen nach einer kurzen Einstimmungsmeditation, was du über den Tag hinweg erleben möchtest. Mache diese Vision so lebendig wie möglich. Fühle wie du dich an diesem Tag fühlen möchtest, und starte erst dann in deinen Tag.

We are Love

Enjoy,

Ella

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